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Neuigkeiten

Suchtprävention im Escape Room

Suchtprävention einmal anders: ein Escape Room macht Jugendliche spielerisch mit den Risiken von Alkohol vertraut. Rätsel lösen, Promille berechnen und gemeinsam unter Zeitdruck handeln – so werden Wissen und Tamgeist gestärkt. Wie das innovative Projekt des Immanuel Suchthilfeverbunds Guben funktioniert und künftig auch andere Suchtmittel in den Blick nehmen soll, erzählen Marion Swietza und Doreen Lindner bei „Natürlich gesund“ mit Julia Nogli.

Julia Nogli:

Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich Gesund. Mein Name ist Julia Nogli und das Thema ist heute Suchtprävention einmal anders, Escape Room. Das klingt geheimnisvoll und es wirft Fragen auf, die ich sehr gerne kläre mit Marion Swietza.

Sie ist Leiterin vom Immanuel Suchthilfeverbund Guben und mit der Suchtberaterin dort Doreen Lindner. Hallo, ich grüße Sie.

Doreen Lindner:

Hallo, einen schönen guten Abend.

Julia Nogli:

Frau Lindner, Escape Room, das ist ja normalerweise so was wie so ein Abenteuerspiel, bei dem man Aufgaben lösen muss, um zum Beispiel aus einem Raum zu fliehen. Was ist das denn bei Ihnen, dieser Escape Room?

Doreen Lindner:

Also unser Escape Room lehnt sich von Prinzip her auch genau an dieses Konzept bestehender Escape Räume an. Auch bei uns geht es darum, Aufgaben zu lösen in einem bestimmten Zeitraum, um dann eben am Ende den Raum erfolgreich gemeistert zu haben und den zu verlassen. Nur dass es bei uns natürlich eben auch oder vor allem nicht mit dem Thema der Suchtprävention gekoppelt ist.

Julia Nogli:

Okay, das ist ja sehr interessant. Also irgendwelche Zielgruppen spricht das an? Also man muss praktisch Fragen zum Thema Sucht beantworten, ja?

Doreen Lindner:

Ja, unter anderem. Also unser Escape Room ist so angelehnt, es sollte ein neues, interessantes Projekt für jugendliche Leute sein, um einfach dieses Thema der Prävention einmal anders heranzuführen, es ganz interessanter zu gestalten und dabei einfach auch Wissen aufnehmen zu können. Ja, und im besten Falle dann daraus einfach auch Nachhaltigkeit zu erzeugen.

Julia Nogli:

Mhm. Gibt es da nur so Fragen oder gibt es auch so kleine Aufgaben? Muss man irgendwas auch machen?

Doreen Lindner:

Nein, also das ist wirklich ein aktives Angebot. Wie gesagt, Rätsel in herkömmlichen Varianten finden sich in unserem Escape Room. Und dann natürlich auch immer wieder bestückt mit Aufgaben rund ums Thema Sucht, weil wir ja auch den Anspruch haben, wir wollen ja auch Wissen vermitteln, wir wollen das Ganze mit Spaß natürlich kombinieren.

Aber wir wollen natürlich auch Information weitergeben und aufklären.

Julia Nogli:

Können Sie da mal ein Beispiel geben für so eine Aufgabe, was man da körperlich vielleicht machen muss?

Doreen Lindner:

Also körperlich in dem Sinne eher nicht. Das ist tatsächlich eher in Richtung Denksport. Wir haben zum Beispiel das Thema von Promille-Berechnungen und haben demzufolge auch Hinweise und Rätsel versteckt, womit dann im weiteren Verlaufe diese Aufgabe gelöst werden kann, wo gerechnet werden muss tatsächlich.

Julia Nogli:

Okay, also das wäre Thema Alkohol. Ist das ein Schwerpunkt?

Doreen Lindner:

Für den ersten Anlauf in diesem Raum ist das Thema Alkohol jetzt gesetzt. Damit haben wir jetzt begonnen und richtet sich vorrangig an junge Leute, die jetzt so im Erstkontakt mit dem Thema Alkohol stehen. Unsere Geschichte dahinter beinhaltet deswegen auch, dass sich Jugendliche treffen.

Das sogenannte Vorglühen haben wir als Thema mit dabei. Und anschließend soll es dann in eine Club-Szenerie überwechseln. Und ja, es geht eigentlich um das Thema Risiken eines solchen Abends.

Wie kann der verlaufen? Wir haben suchtbezogene Themen wie Rauschtrinken mit dabei, Kontrollverluste und dann eben Folgen. Was kann daraus eben an so einem Abend entstehen?

Julia Nogli:

Aber andere Drogen jetzt nicht, nein?

Doreen Lindner:

Für diesen ersten Durchlauf haben wir das noch nicht dabei. Wir haben das Thema Cannabis noch mit angeschnitten, haben uns jetzt im ersten Verlauf auf das Thema Alkohol konzentriert. Der Raum ist dann variabel auch in seinen Weiterentwicklungen.

Das heißt, andere Themen können dann auch eingebaut werden. Das soll jetzt nicht dabei bleiben, sondern natürlich auch weiterentwickelt werden und eben auch andere Substanzen dann damit eingebettet werden.

Julia Nogli:

Also es klingt wirklich toll, weil es eben wirklich so ganz anders ist, als wenn man nur eine Broschüre in die Hand gedrückt bekommt oder ein Plakat sieht. Sagen Sie noch mal, Sie sagten jugendliche Leute, wie etwa ist das Alter?

Doreen Lindner:

Also ab den achten Klassen haben wir das konzipiert, weil wir da auch ab dem Altersbereich viele Anfragen von Schulen bekommen, die dann eben Präventionswünsche haben. Und es ist nach hinten raus, aber auch tatsächlich für ältere Personen auch geeignet. Also wir haben eben auch Erwachsenengruppen schon im Raum gehabt.

Und wir hatten ebenfalls einen gewissen Anspruch empfunden, die Aufgaben zu lösen, aber auch sich noch mal mit den Dingen auseinanderzusetzen. Da ist es eher dann so angesiedelt, dass man den eigenen Konsum vielleicht auch noch mal überprüft. Wie geht man selbst in so einen Abend zum Beispiel?

Und ja, dass man da einfach auch noch mal sensibilisiert wird.

Julia Nogli:

Klingt gut. Passt dann eine ganze Klasse in diesen Raum rein oder müssen die so in Gruppen?

Doreen Lindner:

Wir müssen das tatsächlich in Gruppen durchführen. Also der Raum ist für etwa sechs bis sieben Personen aufgestellt. Ansonsten wird es tatsächlich zu eng.

Und in erster Linie geht es ja auch darum, dass dort im Team auch gut zusammengearbeitet werden kann. Das Ganze soll ja auch persönliche Kompetenzen ansprechen. Also das Miteinanderarbeiten, miteinander kommunizieren und eben die Rätsel gemeinschaftlich lösen.

Julia Nogli:

Und sind bislang alle rausgekommen? Ja, das ist klar, das stimmt. Sind bisher alle rausgekommen aus dem Raum erfolgreich?

Doreen Lindner:

Also wir haben niemanden dort noch irgendwo sitzen, bis wir alle das Problem lösen können. Und als Spielleitung sind wir ja auch dabei. Die Räume sind ja kameraüberwacht.

Wir können die Teilnehmer hören, wir können die Teilnehmer sehen. Das heißt, wenn es an irgendeiner Stelle Probleme gibt, können wir uns kontaktieren. Oder auch wir können Kontakt in den Raum aufnehmen und dann eben erfolgreich auch die Leute dadurch manövrieren.

Denn letzten Endes geht es auch darum, dass ein kleines Erfolgserlebnis mitkommt und alle am Ende glücklich und zufrieden nach Hause gehen. Das ist ja auch ein kleines bisschen Wettbewerbscharakter.

Julia Nogli:

Ja, klingt auch so, als wenn es durchaus Spaß macht. Und das war sozusagen Ihre Idee, habe ich das richtig verstanden?

Doreen Lindner:

Ja. Und wie sind Sie darauf gekommen? Die Idee gab es tatsächlich schon länger.

Ich bin selber großer Escape-Room-Fan. Wir haben uns intern natürlich auch immer wieder mit Frau Swietza zusammengesetzt und haben überlegt, wie können wir das Thema der Prävention ein bisschen offener für die Leute noch machen, von der Aufnahme her interessanter gestalten, uns da auch ein Stück weiter entwickeln. Und da schien einfach dieses Konzept des Escape-Rooms sehr interessant mit diesen Rätseln verbunden.

Und letzten Endes geht es auch darum, wenn wir über Sucht sprechen, Ressourcen, eigene Fähigkeiten zu aktivieren, die auch erstmal irgendwo bewusst zu machen, das sind ja auch die Dinge, die man einfach braucht, um sich gegen eine Sucht aufzustellen. Und die vermitteln wir auch direkt mit dem Escape-Room. Das Thema Teamarbeit, gemeinschaftliches Arbeiten, Kommunikation, Strategien und Lösungen einfach finden, um diese Rätsel auch zu lösen.

Und dann natürlich auch der Umgang mit dem Zeitdruck. Wir haben 60 Minuten Zeit pro Durchgang innerhalb des Raumes. Und ja, das ist die Herausforderung, in diesen 60 Minuten auch die Rätsel gelöst zu haben.

Julia Nogli:

Wie ist es aus Ihrer Sicht mit der Ehrlichkeit? Das kann ja dann manchmal sein. Oder sind die Fragen so theoretisch, dass ich praktisch nie von mir selbst viel verraten muss?

Doreen Lindner:

Also innerhalb des Escape-Rooms, die Themen zielen nicht ab, dass jemand dort von sich selbst verraten muss. Sondern es geht erst mal um die Wissensvermittlung. Im Anschluss, in der Nachbereitung, da haben wir es natürlich oft, dass dann auch Jugendliche von sich erzählen, von Begebenheiten erzählen, dann kommt man noch mal ins Gespräch.

Also das öffnet die Leute auch einfach noch mal.

Julia Nogli:

Und das ist ja auch ganz wichtig, ja, genau. Sie sagten vorhin Schulklassen. Wie meldet man sich da überhaupt an?

Ist es nur was für Schulklassen oder könnten Leute da auch als Familie hinkommen oder wie?

Doreen Lindner:

Das ist auch möglich. Also wir hatten bereits auch Anfragen zu Teamtagen. Wir hatten andere Suchtberatungsstellen-Fachleute bei uns, die sich das eben auch mal angeschaut haben.

Das ist tatsächlich auch für Menschen aus dem Privatbereich möglich. Also Kontakt kann man aufnehmen über unsere Homepage. Da ist die Telefonnummer hinterlegt.

Und dann einfach anrufen, das Thema erfragen, und dann machen wir dann einen Termin.

Julia Nogli:

Und dann wird es irgendwie finanziert, entweder über die Schule oder selbst oder wie?

Doreen Lindner:

Also wir haben für dieses Projekt tatsächlich eine Förderung von unserem Ministerpräsidenten Herrn Woidke erhalten, nachdem er uns hier in 24 zu einem Besuch zugegeben war. Wir haben uns über das Thema der Prävention unterhalten. Er war da auch sehr offen und sehr angetan und zugänglich und hat uns eben entsprechend auch Mittel dafür bereitgestellt, die wir dafür auch eingesetzt haben.

Für Schulklassen ist dieses Angebot kostenfrei und ansonsten auf Spendenbasis, also aus dem Privatbereich.

Julia Nogli:

Genau. Super, ja. Dann würde ich die Frau Swietza jetzt noch ein bisschen dazu befragen. Vielen Dank an Sie erst mal.

Marion Swietza:

Ja, hallo.

Julia Nogli:

Hallo, Frau Swietza. Sie sind die Leiterin vom Immanuel Suchthilfeverbund Guben. Das heißt, Sie haben das Projekt ja sozusagen mal abgesegnet.

Es ist an Sie herangetragen worden, und das hat Sie überzeugt. Ist das immer noch so? Ja, auf jeden Fall.

Marion Swietza:

Es ist ja doch ein sehr innovatives Projekt, was hier regional und auch überregional doch etwas für Aussehen gesorgt hat, weil es das einfach noch nicht so oft gibt. Und daher auch die Anfragen, die sind ja nicht nur aus dem Stadtgebiet Ruhm, sondern auch aus Cottbus-Forst, Landkreis Spree-Neiße, selbst Einrichtungsleitungen aus Brandenburg, die weiter weg sind, haben da bereits Anfragen gestellt, ob da Möglichkeiten bestehen, diesen Escape-Room mal zu nutzen für entweder Präventionsarbeit mit Schülern oder Lehrlingen oder eben auch als Team-Event.

Julia Nogli:

Und der ist ganz gut ausgebucht sozusagen, ja? Ja. Wie ist denn das Feedback vor allen Dingen der jungen Leute?

Es wird ja sicher auch so ein bisschen erfragt am Ende.

Marion Swietza:

Also in der Regel kommen die immer sehr begeistert und euphorisiert aus dem Raum raus, und dürfen natürlich erst mal ihren Freunden nicht verraten, um was es da drin geht. Das ist natürlich, wie es in jedem Escape Room ist. Und also das Feedback insgesamt ist immer sehr positiv.

Julia Nogli:

Der Hintergrund ist ja natürlich aber ein ernster. Also Alkohol, aber auch andere Drogen, der Konsum nimmt leider zu. Und man muss ja frühzeitig irgendwie informieren.

Das ist ja das Hauptsächliche erst mal, ne? Also bevor Leute damit konfrontiert werden. Aber jetzt so mit anderen Drogen.

Also denk mal so an chemische Substanzen oder Crack oder sowas. Das wäre schon auch schwieriger, oder? Da so auf so eine Weise ranzugehen?

Marion Swietza:

Naja, ich denke mal, da müsste man, wenn das in unserem Escape-Room als ein Thema dargeboten wird, müsste man natürlich die Fragen und die Themen entsprechend umstellen. Das wird die Zukunft bringen. Es wird jetzt nicht nur bei dem Thema Alkohol bleiben, sondern wir müssen das Projekt ja auch weiterentwickeln.

Und da werden sicherlich auch noch andere Substanzen mit einer Rolle spielen. Das ist schon in Arbeit. Aber da sind wir jetzt noch nicht so weit.

Und das würde zu weit führen, wenn ich da jetzt schon sagen würde, wir haben das alles schon fertig entwickelt. Aber wie gesagt, man muss ja so ein Projekt weiterentwickeln. Weil irgendwann ist es nicht mehr zeitgemäß.

Und dann wird wieder nach was Neuem gefragt. Und da sind wir einfach dran.

Julia Nogli:

Also mit dem Alkohol, das ist ja natürlich ein Riesenthema. Das ist gesellschaftlich eben sehr akzeptiert. Jeder kommt damit in Berührung, hat mit unserer Kultur viel zu tun.

Also das ist, glaube ich, schon nicht falsch, da anzusetzen.

Marion Swietza:

Ja, das ist so für viele junge Leute natürlich auch die Einstiegsdroge mit. Neben Cannabis, aber hauptsächlich Alkohol. Weil es eben, wie gesagt, in unserer Gesellschaft ja sozialisiert ist.

Jede Familie trinkt mal was. Zu jeder Feier wird das Glas Sekt erhoben. Nicht wahr?

Ja, und wenn dann die jungen Leute entsprechend in ihrer Gruppe zusammenkommen, dann wird auch mal das eine oder andere getrunken. Und dann kommen die automatisch mit dem Thema Alkohol in Berührung. Machen sich aber erst mal nicht solche Gedanken, wie sie sich dann machen müssen, wenn sie durch diesen Escape Room müssen oder wollen.

Weil dann wird man automatisch mit bestimmten Themen dort konfrontiert, womit sie sich sonst in dem Maße noch nie auseinandergesetzt haben. Und das ist dann auch so das Feedback, dass sie dann doch erstaunt sind. Wie viel Promille brauche ich denn nur, um dann schon getrunken zu sein?

Oder entsprechend was im Blut zu haben und nicht mehr reaktionsfähig zu sein? Und, und, und.

Julia Nogli:

Also das ist schon für viele auch ein Aha-Effekt dabei. Ja, und letztlich ist es ja auch etwas, was man ja auf andere Drogen übertragen kann. Also das ist, was mit einem eben macht.

Und nicht nur angenehm, langfristig. Genau. Genau.

Marion Swietza:

Und das ist ja nicht nur das Schöne, dass die Party dann lockerer und leichter wird, sondern es gibt ja immerhin dann hinterher auch noch eine Konsequenz.

Julia Nogli:

Und das alles wird lebhaft und interessant präsentiert im Escape Room in Guben. Suchtprävention einmal anders. Escape Room, so unser Thema heute.

Und mehr Infos dazu hier auf www.paradiso.de. Und dort können Sie wie immer die ganze Sendung auch noch mal nachhören. Einen schönen Abend für Sie mit Radio Paradiso.

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